Lust Im Tod

Die Schwärze des Raumes erdrückt sie. Schleppend ertrinkt sie im Meer der sie umgebenden Finsternis. Jegliche Wärme entweicht ihrem erstarrten, nackten Leib. Im Rhythmus eines hektischen Herzschlages erhellt sich der Raum im Licht der über den Nachthimmel zuckenden Blitze. Sie streckt ihre kaltschweißigen Finger von sich. Von ihrem Körper hinweg zu einer reglosen Figur. Eine gelbbraune Fratze fixiert sie, während ihre nassen Hände, sanft und liebevoll, die Konturen des einstig fleischigen Körpers nachziehen. All Leben ist entschwunden und doch fühlt sie die pulsierende Lust und Leidenschaft ihres Gegenübers. Jener tiefe hohle Blick des Geliebten entzückt sie. Blut steigt in ihre Wangen, tränkt diese in zartem rosé. Mit brennender Inbrunst schlingt sie ihre Arme um den dürren Leib und zieht diesen beherzt zu sich. Zum Takt knackender Knochen schwebt sie über das Parkett. Leichtigkeit. Freiheit. Die Kronleuchter umhüllen das Mädchen mit warmem Licht. Der Duft von edlem Holz und teurem Champagner durchschlägt die Wand trübseliger Stimmung. Leidenschaftlich presst sie dem kalten Charmeur ihre zarten Lippen auf. Das freche Mäulchen entzieht ihm all Sterblichkeit. Die fleischgewordenen Backen erröten. Die pure Lust seiner Augen lässt ihre Lenden erbeben. Mit zittriger Hand führt sie sich die seine an den Busen um den Brustkorb vorm Bersten zu bewahren. Die Elektrizität der Unsittlichkeit durchschneidet beider Tugend. Vereint strahlen sie wie der sonnigste Sommertag. Golden. Glänzend. Glühend. Solch ein Raum, gefüllt mit Wärme und Farben, erleuchtet so jede düstre Nacht und meißelt seinen Betrachtern die pure Scheelsucht ins Gesicht. Heißes Verlangen bestimmt ihre Bewegungen. Sanft wie Geschmeide und temperamentvoll wie eine Herde junger Pferde winden sie sich umeinander. Sekunden werden zu Minuten, Minuten zu Stunden und diese wiederrum ballen zu einer Ewigkeit. Sie schwingen und schweben. Ihre lüsternen Blicke treffen seine stürmischen Augen. Die Musik raubt ihnen Jahr um Jahr und in einem Wimpernschlag stehen sie da, starren sich an. Kinder. Unschuldige Kinder. Einer jungen Mutters Glück. Ein Fünfjähriger, engelsgleich, streckt seine dicken Finger nach einem goldgelockten Mädchen aus. Im Augenschlag der Berührung ihrer Zarten Haut fault ihm das Fleisch von den Knöcheln. In Fetzen fällt es ihm von den Fingern. Mit leichtfüßiger Zarthaftigkeit streicht er ihr schwarzes Blut um den Mund. Ihr Blick, festgesaugt an dem seinen, entzieht ihm die Lebenskraft. Die adrigen Augäpfel vertrocknen, die roten Backen welken und das Haar erstumpft. Alle Wärme entschwindet dem Raum und das Mädchen, verzehrt von Dunkelheit, fällt auf die Knie. Glasige Knochen auf splittrigem Holz. Ertränkt im Saft der Trauer, zieht die schwere, behagliche Kälte zurück in ihren Leib. Todeslüsternd hält sie die rottende Hand des einstig Liebsten. Im flackernden Licht der Blitze windet sie sich zittrig und unbeholfen aus dem Raum. Ohrenbetäubende Stille bleibt, einsam, wie ein unwillkommener Gast, zurück. Der süße Duft der mageren Vergänglichkeit kehrt heim und entmachtet das fette, faule Wohlgefühl. All Leben war entschwunden und auf ein Weiteres watete sie im Watt der Verdrängung.

-Rina Tiyu

Deutschland, du hast mich meiner Liebe beraubt

Oh höre, du von Diskrimination durchzogenes Land.

Dem großen Clan des Westens gehörst du an. Der Ideologie besser zu sein als all die anderen Subjekte der Erdkugel. Mächtiger. Reicher. Privilegierter. Du denkst, du hast die von Gott gesandte Macht, zu bestimmen wer in deinem Inneren haust, wer in deinem Triebwerk mitwirkt und wem du Schutz bietest. Bei all diesen Höhenflügen vergisst du die kleinen Leut. Vergisst du die Menschlichkeit. Vergisst du die Liebe.

Nur lieben will Ich. Lieben, wen mir Gott gesandt. Lieben, wen mir das Schicksal gebracht. Lieben, wen mein Herz begehrt. Oh höre, du von Diskrimination durchzogenes Land. Du triebst eine eiserne Mauer zwischen uns. Erinnerst du dich nicht? Bereits getan, bereits gelebt, bereits besiegt. Zumindest habe ich so gedacht.

Ich bin dein Kind, doch werde gestraft mit Misstrauen. Warum? Weil ich liebe? Einen Mann einer anderen Nation. Ich werde gestraft mit Kummer und Leid im Angesicht deines gepeinigten Neid? Für dich ist er minderwert und ich würd für ihn mein Leben geben. Doch natürlich gewinnst du. Kriegsmaschinerie, Geldgier, Völlerei und Selbstsucht. Deine Sünden kennen keine Grenzen. Wovor hast du Angst? Dass deine Rasse ihre arrogante Mentalität verliert?

Ich habe dich verehrt und geschützt im eisernen Gefecht fremder Worte, doch zeigst du mir nun, dass mein einstiges Zuhaus jetzt nur sind leere Orte.

Mit meinem Geliebten zu leben ist dir ein Dorn im Aug. Im Schein von Toleranz suhlst du deinen fetten Leib doch tanzt bei Nacht mit jedem Teufelsweib. Nur heiraten will ich. Glücklich sein. Kannst du mich nicht verstehen? Machst es so schwer mit meinem Liebsten zu gehen. Beklagst dich über niedrige Geburtenrate, Auswanderung und unbesetzte Ausbildungsplätze doch bist in Hetze alles rauszuhalten was deiner Meinung nach nicht dazu gehört. Ledigkeitsbescheiningung und Finanzierungsrücklagen sind für mich nur lange Worte. Ohne Sinn und Bestand schließen sie einem die Pforte.

Kann nicht atmen. Kann nicht fühlen. Kann nicht stehen, ohne währendessen zu vergehen. Papierkrieg, nur um das Recht zu erlangen zu sein mit wem Ich mag. Gestapelte Formulare, nur um die Chance zu erhalten mein Vaterland nicht wegen der Liebe verlassen zu müssen.

Ohne Ehe haben wir keine Rechte und mit sind wir Scheinehenverdächtige. Kein Weg rein, dann der Weg raus. Drum müssen wir flüchten und werden geben anderen Staaten unsere Ernte an süßen Früchten. Aussterben wirst du. Langsam und stetig.

Die Erde wird sich drehen und der Westen vergehen. Du wirst sehen.

Deutschland, du hast deine Kinder ihrer Liebe beraubt.